Abstracts

Dysphagie-Kongress 2026 Dresden

25.-26. September 2026 / BallsportARENA Dresden

Dr. med. Thomas Blankenburg

Titel:
Dysphagiediagnostik, -Therapie und Trachealkanülenmanagement in der Langzeitbeatmung und beim Weaning

Abstract:
Dysphagie hat wesentlichen Einfluss auf das Behandlungsergebnis bei Patienten mit Langzeitbeatmung beziehungsweise im Rahmen des schwierigen Weanings von der Beatmungsmaschine. Persistierende Dysphagie kann den Weaningserfolg, insbesondere die Dekannülierung aber auch die vollständige Entwöhnung von der Beatmungsbehandlung infrage stellen. Die Ursachen der Dysphagie im Weaning sind heterogen. Dies wird in der Leitlinie der deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin mit einem eigenen Kapitel gewürdigt. Zertifizierte Weaningzentren sind verpflichtet, Dysphagiediagnostik und Therapie anzubieten. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass eine frühzeitige strukturierte Dysphagiediagnostik und entsprechende Anpassung der therapeutischen Maßnahmen den Weaningprozess beschleunigt, allerdings den Anteil an tracheotomiert entlassener Patienten erhöhen kann. Schon mit der Einführung einer strukturierten Diagnostik verbesserte sich das mittelfristige Outcome der Patienten.

Im Rahmen der außerklinischen Beurteilung langzeitbeatmeter beziehungsweise kannülierter Patienten, ist die Dysphagiediagnostik obligater Bestandteil der entsprechenden Statusbestimmung. Hier kann ein strukturierter Befund, neben der Beurteilung der atemmuskulären Kapazität eines außerklinisch beatmeten Patienten, wesentlicher Bestandteil für die Entscheidungsfindung zum weiteren Weaning sein. Strukturierte Dysphagiediagnostik ist gesetzlich vorgegebener Bestandteil der Potenzialerhebung bei außerklinisch langzeitbeatmeten Patienten und damit Voraussetzung für die außerklinische Intensiv- Versorgungsordnung. Bei der Longitudinalen Beurteilung beatmungspflichtiger, respektive kanüllierter Patienten in der außerklinischen Intensivpflege ist auffällig, dass eine intensive Einbindung logopädischer Diagnostik und Therapie den Ernährungsstatus sichert und die Häufigkeit an Krankenhauseinweisungen vermindert. Bei Patienten mit außerklinischer Beatmung und Dysphagie besteht die Gefahr, dass bei Besserung der Dysphagie außerklinische Weaningsversuche unternommen werden, die aufgrund der fehlenden spezifischen Beatmungsüberwachung Risiken bergen.

Damit sind das Dysphagiemanagement und das damit verbundene Trachealkanülenmanagement integrale Themen für eine intersektorale Zusammenarbeit von Pflegenden, Therapeuten und Ärzten.

Vita:
Medizinstudium in Lpz bis 1993, dann Ausbildung in Mittelengland bis 1995. Internistische Ausbildung an der Uni Halle, Pneumologie bei Martha-Maria. Seit 2005 Beschäftigung mit Beatmungsmedizin und außenklinischer Beatmung. … Seit 2020 Chefarzt in der Diakonie. 2022 Weinet-zertifikat des Weaningzentrums.

ChA Dr. med. Alexander Darbinjan

Titel:
Schluckfunktion nach Kopf-Hals-Tumortherapie: Was bestimmt den funktionellen Outcome?


Abstract:
Schluckstörungen zählen zu den häufigsten und funktionell bedeutsamsten Folgen der Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren und haben einen erheblichen Einfluss auf Lebensqualität, Ernährung und pulmonale Sicherheit der betroffenen Patienten. Art, Ausprägung und Verlauf der Dysphagie werden maßgeblich durch das zugrunde liegende Therapiekonzept bestimmt. In diesem Vortrag werden Schluckstörungen bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren vergleichend dargestellt, die entweder ausschließlich operativ, kombiniert operativ und radiotherapeutisch oder primär radio(chemo)therapeutisch behandelt wurden. Anhand typischer klinischer und funktioneller Befunde werden therapieabhängige dysphagische Muster, zugrunde liegende Pathomechanismen sowie Unterschiede hinsichtlich Schweregrad, Persistenz und Rehabilitationspotenzial aufgezeigt. Besonderes Augenmerk gilt den funktionellen Folgen kombinierter Therapieverfahren, die häufig mit komplexen und langfristigen Schluckstörungen einhergehen. Ziel des Vortrags ist es, ein differenziertes Verständnis therapiebedingter Dysphagie bei Kopf-Hals-Tumorpatienten zu vermitteln und die Bedeutung einer gezielten, interdisziplinären Diagnostik und Therapie hervorzuheben.

Michael Helbing

Titel Workshop:
Dysphagie bei Atemwegserkrankungen

Abstract Workshop:
Wenn Atmen und Schlucken nicht mehr Hand in Hand gehen, steigt das Risiko für Aspirationen und Pneumonien massiv an. Besonders bei Patient*innen mit Atemwegserkrankungen finden sich hier erschwerte Bedingungen. In diesem Workshop schlagen wir die Brücke zwischen Atmung und Schluckfunktion und erarbeiten dabei konkrete Tools für die Therapie.

In diesem Seminar verbinden wir die theoretischen Grundlagen der respiratorischen Insuffizienz mit direkten praktischen Impulsen für Ihren Praxisalltag.

Die Schwerpunkte:

  • Pathophysiologie der COPD

  • Schluckkoordination

  • Effektives Sekretmanagement

  • Einsatz von PEP-Geräten

  • EMST (Expiratory Muscle Strength Training)

  • Pneumonieprophylaxe

Neben der Vermittlung von aktuellem Fachwissen liegt ein starker Fokus auf praktischen Impulsen. Wir probieren Geräte und Techniken gemeinsam aus, damit Sie die notwendige Sicherheit für die Anwendung bei Patient*innen gewinnen.


Titel Vortrag:
Logopädie bei Supragastrischem Belching & Aerophagie

Abstract Vortrag:
Supragastrisches Belching und Aerophagien werden oft als Reflux fehlend diagnostiziert, sind aber ein unbewusst erlerntes Verhaltensmuster. Für Betroffene bedeutet dies einen hohen Leidensdruck; für uns Therapeut*innen bietet es ein spannendes Feld für gezielte logopädische Interventionen.

In diesem Seminar lernen Sie, das Störungsbild sicher abzugrenzen und Atem- sowie Bewegungsmuster nachhaltig zu regulieren.

Die Schwerpunkte im Überblick:

  • Grundlagen & Abgrenzung: Physiologie von supragastrischem vs. gastrischem Belching, Aerophagie und Reflux.

  • Klinische Diagnostik: Woran erkenne ich das Muster? Hinweise zur Differenzialdiagnostik.

  • Therapeutisches Handwerkszeug: Gezielte Ansätze aus der Atem-, Schluck- und Verhaltenstherapie.

  • Praxtransfer: Fallbeispiele und Strategien zur direkten Umsetzung im therapeutischen Alltag.

Hans Schwegler

Titel Workshop:
Oralisierung und Sprechen während invasiver Beatmung - Besprechung von Patient:innenbeispielen.

Abstract Workshop:
In diesem Workshop werden wir als Ergänzung zum Vortrag (der eher die theoretischen Hintergründe und Zusammenhänge sowie die Evidenz zur Thematik aufzeigen wird) mittels konkreter Beispiele von beatmeten Patientinnen und Patienten die Bedeutung dieser Thematik besprechen. Filmaufnahmen sollen wichtige Aspekte wie mündliche Kommunikation, Schlucken, Essen, Trinken während der Beatmungszeit und die daraus entstehende Motivation für die Betroffenen aufzeigen. Der Workshop soll dazu anregen, die äusserst sinnvolle Arbeit zur Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen möglichst früh mittels multidisziplinärer Zusammenarbeit anzupacken. Es lohnt sich – mehrfach.


Titel Vortrag:
Oralisierung und Sprechen bei invasiver Beatmung via Trachealkanüle

Abstract Vortrag:
Oralisierung und mündliche Kommunikation können bei invasiver Beatmung via Trachealkanüle schon früh angegangen werden. Mittels Entcuffen der Trachealkanüle kann die Exspiration über den physiologischen Atemweg gelenkt werden (leak-speech). Wenn immer möglich soll dies mit zusätzlichem Einsatz eines beatmungskompatiblen Sprechventils erfolgen, damit auch reflektorische und willkürliche Reinigungstechniken zur Verfügung stehen. Die Schluckfunktion profitiert zudem erheblich von der Stimulation oder Erhaltung der Sensibilität in den oberen Atemwegen. Mit dieser Arbeit leisten wir nicht nur einen evidenten Beitrag zur Lebensqualität der Patient:innen, wir können auch das Weaning sowie den gesamten Prozess im Trachealkanülen-management bis zur Dekanülierung unterstützen und beschleunigen – und damit auch Kosten sparen.

Solange das Entcuffen durch (wenige) Kontraindikationen verhindert wird, haben wir über den Einsatz von Trachealkanülen mit subglottischem Absaugzugang wertvolle Möglichkeiten für die Herstellung eines translaryngealen Luftstromes, der für Phonation, Sprechen, zur Sekrektmobilisation und zur Stimulation der Schluckfunktion eingesetzt werden kann.

PhDr. Michaela Trapl-Grundschober, Ph. D., MAS, MSc

Titel:
Medikamentenverabreichung bei Dysphagie nach Schlaganfall: Bewertung der Schlucksicherheit fester Darreichungsformen

Abstract:
Die routinemäßige Modifikation fester Arzneiformen bei post-stroke Dysphagie ist weit verbreitet, jedoch kaum evidenzbasiert. FEES-basierte Daten und zwei Fragebogenerhebungen analysieren Entscheidungsprozesse, Schlucksicherheit und klinische Konsequenzen.

Philipp Bonow M.Sc.

Titel:
Schluckangst neu betrachtet: Beobachtungen aus der Endoskopie

Abstract:
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf eigenen klinischen Beobachtungen aus der endoskopischen Schluckdiagnostik. Auf Grundlage meiner praktischen Erfahrung zeigen sich bei Patientinnen und Patienten mit Schluckangst, entgegen der häufig vertretenen Annahme einer unauffälligen Schluckphysiologie, durchaus funktionelle Auffälligkeiten im Schluckablauf. Diese Beobachtungen werden anhand ausgewählter Videosequenzen dargestellt, gemeinsam analysiert und fachlich eingeordnet, um die Zusammenhänge zwischen Angst, Wahrnehmung und Schluckmotorik differenziert zu beleuchten.

Dr. med. Friedmar Kreuz, Sören Paul

Titel:
Dysphagie bei der Huntington Krankheit

Abstract:
Seit 150 Jahren ist die Huntington-Krankheit als typische neurologische Erbkrankheit beschrieben. Inzwischen ist die Komplexität des Störungsbildes und die genaue Art der genetischen Veränderungen, welche sie auslösen, noch viel besser bekannt. Der Blick bei Morbus Huntington lag zunächst nur auf den Bewegungsstörungen. Doch die Änderungen der Kognition und der Psyche sind ebenfalls bedeutsam für alle, die mit den Erkrankten zu arbeiten.

Der Workshop zeigt am Beispiel der Huntington-Krankheit die Vielschichtigkeit neurologischer Erkrankungen. Ziel ist es, das Störungsbild in seiner Multidimensionalität zu erfassen und die Störungen mit dem Fokus auf die Dysphagie zu erfassen. Schließlich werden pflegerische und therapeutische Optionen bezüglich der Ernährung und der Dysphagie bei Huntington aufgezeigt. Dazu ist es geplant, einen an Morbus Huntington Erkrankten zu Wort kommen zu lassen, welcher über seinen Krankheitsverlauf und seine Schluckprobleme berichtet.

Dr. Willibald Kuhlig

Titel:
Ernährungtherapie bei ausgewählten schweren neurologischen Erkrankungen

Abstract:
Ernährungstherapie ist so wichtig wie eine Therapie mit Medikamenten oder eine Logopädie oder Beatmungstherapie.

Menschen mit neurologischen Erkrankungen, wie Z. n. Schlaganfall, ALS, MS und Demenz haben ein hohes Risiko für eine Mangelernährung, die zu Gewichtsverlust , erhöhten Infektionsraten und zu gesteigerter Mortalität führt. Die Ursachen für Mangelernährung können je nach Erkrankung unterschiedlich sein und oftmals treten mehrere Ursachen gleichzeitig auf.

Am Anfang der Behandlungskette steht ein Screening auf Mangelernährung, dem bei positivem Befund die Abklärung der Ursachen folgt.

Die Therapiemaßnahmen umfassen eine Basistherapie oder Kompensation der Ursachen und je nach patientenindividuellem Kalorien- und Eiweißbedarf eine adäquate Ernährungstherapie. Eine rechtzeitig begonnene und auf die Individuellen Bedürfnisse des Patienten abgestimmte Ernährungstherapie kann den Ernährungszustand Stabilisieren, Komplikationen vermeiden und die Mortalität verbessern.

Für die Ernährungstherapie neurologischer Erkrankungen stehen je nach Grunderkrankung verschiedene Strategien und Produkte zur Verfügung, die krankheitsspezifisch vorgestellt werden.

In dieser Veranstaltung möchten wir Ihnen praxisgeeignete und leitlinienbasierte Informationen vermitteln, die Ihnen ermöglichen, bei neurologisch erkrankten Patienten Ernährungsprobleme früh zu erkennen und Maßnahmen einzuleiten, um eine Mangelernährung zu vermeiden oder zu behandeln.

Phagenyx Therapie - Katrin Eibl

Titel:
Stimulation. Reorganisation. Funktion. Innovative Therapiestrategien bei neurogener Dysphagie.

Abstract:
Neurogene Dysphagien zählen zu den häufigsten und folgenreichsten Symptomen nach neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall sowie nach intensivmedizinischen Maßnahmen wie Intubation und Tracheotomie. Das Verständnis der zugrunde liegenden neuronalen Netzwerke des Schluckens und ihrer Reorganisation nach Läsionen ist entscheidend für eine gezielte Therapieplanung. Dieser 90-minütige Workshop vermittelt aktuelle Erkenntnisse zur Physiologie und Pathophysiologie des Schlucknetzwerks, beleuchtet die Auswirkungen kortikaler und subkortikaler Läsionen sowie Mechanismen der neuronalen Reorganisation. Im Fokus steht die Rolle der Neurostimulation, insbesondere der Pharyngealen Elektrostimulation (PES), deren Mode of Action und Evidenzlage vorgestellt werden. Im Vergleich zu konventionellen dysphagietherapeutischen Ansätzen wird die innovative, evidenzbasierte Therapiestrategie diskutiert, die einen Paradigmenwechsel von der reinen Kräftigung hin zur gezielten Stimulation und Funktionsreorganisation markiert. Fallbeispiele illustrieren die klinische Relevanz und Integration in den therapeutischen Alltag.

Zielsetzung:
Darstellung aktueller Erkenntnisse zu Physiologie und Pathophysiologie des Schlucknetzwerks, sowie der funktionellen Reorganisation nach Schädigung, Funktion, Wirkweise und Evidenzen der Pharyngealen Elektrostimulation (Phagenyx)

Zielgruppe: Ärzt:innen, Therapeut:innen und Studierende mit Schwerpunkt Neurorehabilitation und Dysphagie.

Vita:
Katrin Eibl, Klinische Linguistin (BKL), seit 25 Jahren als Sprachtherapeutin tätig in der Neurologie, Geriatrie und im Akuthaus. FEES-Ausbilderin (DGN, DGG, ESSD); TKM-Ausbilderin (DGD), spezialisiert auf Intensivbereich und Weaning; Referentin (Prolog, Logomania, Loguan); Autorin von „Sprachtherapie in Neurologie, Geriatrie und Akutrehabilitation“ (2. Aufl., Elsevier 2023); „Fallbuch Sprachtherapie“ (Elsevier, 2019) und „Arbeitsbuch Dysarthrie“ (Elsevier, 2023). Aktuell tätig als Clinical Specialist bei Phagenesis GmbH.

Prof. Dr. med. Stefan Zeller

Titel Vortrag:
Dysphagie im geriatrischen Kontext

Abstract:
Der Vortrag beleuchtet die multifaktoriellen und altersassoziierten Entstehungsmechanismen sowie klinische Manifestationen im geriatrischen Alltag. Ziel ist es, Verständnis für die besondere Bedeutung der Dysphagie bei älteren Menschen zu vermitteln.